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Bericht von Laura
so, wie versprochen gibt es meinen nächsten Bericht, wenn
ich endlich im Kinderheim angekommen bin. Nachdem ich eine ziemlich unangenehme
Nacht im Flugzeug hinter mich gebracht habe, bin ich endlich gestern Morgen am
Flughafen Mombasa angekommen. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin dachte
ich, ich laufe gegen eine Wand, so warm hatte ich es nicht erwartet. Da es kurz
zuvor noch geregnet hatte, war es zudem auch noch ziemlich schwül und ich hatte
zunächst einmal damit zu tun mich zu entblättern.
Es verging einige Zeit, bis ich dann endlich den ganzen
Einreiseprozess-Passkontrolle, Visa kauf und Gepäck Abholung erledigt hatte und
mich auf die Suche nach Irene machen konnte, die draußen auf mich warten
wollte. Ein kurzer schweifender Blick in die Menge von unzähligen Männergesichtern,
die mit einem Schild für ihr jeweiliges Hotel auf ihre Touristen warteten, genügte
und ich erkannte sofort in einem warmherzig lachenden Gesicht Irene wider. Nach
einer sehr vertrauten Umarmung nahm sie mich mit zum Auto und wir fuhren gleich
los. Irene ist noch netter als ich mir erhofft habe, sehr unkompliziert und
gibt einem das Gefühl zu hause zu sein.
Auf dem Weg ins Waisenhaus blickte ich ununterbrochen aus dem Fenster und ließ
alle Eindrücke auf mich wirken ich merkte ganz deutlich, wie mich Afrika wieder
in seinen Bann zog. Zwar war ich zum ersten Mal in Kenia, aber die belebten
Strassen, der laute Verkehr, die vielen Strassen, Märkte und vor allem die
vielen, vielen Menschen erinnerten mich sehr an Nigeria- die Heimat meines
Vaters. Obgleich diese Eindrücke auf einen einprasseln, wie ein unverhofft
starker Schauer den ich, nebenbei bemerkt in der kurzen Zeit hier schon
mehrmals miterleben durfte-, da hier alles so anders ist als gewohnt, konnte
und kann ich nicht genug davon bekommen.
Während der Fahrt erzählte mir Irene, dass wir noch ein weiteres Kind abholen müssten,
bevor wir nach Hause führen. Sein Name sei Kevin. Seine Mutter war im August
verstorben und er lebte bei einer Familie, die ihn bis jetzt bei sich
aufgenommen hatte. Als wir den kleinen dann abholten, war er verständlicherweise
sehr verschüchtert und scheu. Er traute sich nicht einmal seinen Kopf zu heben
und schaute unentwegt auf seine kleinen Füße. Irene erzählte mir, dass er sich
nicht einmal an den Namen seiner Mutter erinnern konnte- was wahrscheinlich
eine Art Schutzfunktion oder auch Folge von Schock sein muss. Er ist der Jüngste
von mehreren Geschwistern, weiß allerdings nicht, wo sich die anderen befinden.
Es ist schon traurig, wenn man sich die Geschichte des kleinen ansieht, der mit
sechs Jahren bereits seine ganze Familie verloren hat aber dafür gewinnt er
jetzt eine neue Familie mit 19 Brüdern und Schwestern, Irene und den lieben
Mamas, die sich wirklich sehr liebevoll um die Kinder kümmern.
Um zehn Uhr kamen wir dann endlich in Kilifi an und Irene stellte mir die
lieben Mamas vor. Dann führte sie mich durch das Haus, zeigte mir die Schlaf-
und Badezimmer der Kleinen und den Aufenthaltsraum. Ich empfand es gleich sehr gemütlich.
Alles war sehr ordentlich und sauber. Da die Kinder noch in der Schule waren,
war es noch sehr ruhig und wir setzten uns gemeinsam in den Garten und tranken
einen von den Mamas zubereiteten Tee. Der Garten ist sehr groß und gibt den
Kindern die optimale Möglichkeit in ihrer Freizeit dort herumzutollen. Ich kann
mir vorstellen, dass die meisten Kinder ziemlich erschöpft sind, wenn sie den
langen Schultag hinter sich gebracht haben, aber am Freitag ist ja zum Glück
der letzte Schultag, denn für die Kinder fangen jetzt die vierwöchigen
Sommerferien an.
Nachdem ich mich in dem Haus, indem ich jetzt für nunmehr 3 Monate leben werde -
Irene hat alles selbst eingerichtet und es ist wirklich unglaublich schön
geworden, schöner als ich es mir je erträumt hätte - geduscht hatte, gingen wir
wieder gemeinsam zum Waisenhaus, von wo aus uns die Kinder schon entgegen gesprungen
und mit neugierigen aber noch zurückhaltenden Blicken zur Begrüßung die Hand
reichten und sich mir vorstellten. Ich hoffe ich kann mir die Namen alle so
schnell wie möglich merken aber das geht ja meistens schneller als man erst
denkt - das weiß ich noch aus der Zeit im Kinderheim in Marokko. Die Kinder
hatten gerade ihre 45min. Pause, in der sie immer nach Hause kommen um zu
Mittag zu essen.
Als wir uns dann alle gemeinsam um die zwei großen Esstische im Garten gesetzt
hatten und jedes Kind vor einem großen Teller mit Reis, Gemüse und Fleisch saß,
begannen sie zu esse. Ich muss wirklich sagen, dass ich nicht erwartet hatte,
dass die Kinder so brav waren- ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur damit
zusammenhängt, dass eine neue Praktikantin da ist, zumindest hat das die Kinder
in dem letzten Waisenhaus in dem ich war nicht davon abgehalten, mit dem Essen
um sich zu schmeißen und zu machen, was sie wollten. Bestimmt wird es bald
wilder zu gehen, wenn sich die Kinder erst einmal an mich gewöhnt haben aber
ich glaube, dass hier sehr darauf geachtet wird, dass sich die Kinder gut
benehmen und sehr freundlich sind. Jedes Kind spült sogar sein eigenes
Geschirr.
Nachdem Essen stellten sich dann alle auf und sangen dann zur Begrüßung drei wunderschöne
Lieder, wie es nur afrikanische Kinder können. Über die mitgebrachten Geschenke
freuten sich alle sehr und konnten gar nicht mehr aufhören andauernd..thank
you, thank you.. zu sagen. Da die Schule bald wieder anfing, mussten sie sich
dann aber auch gleich wieder auf den Weg machen.
Da ich noch ziemlich erschöpft von der langen Reise war, schickte mich Irene
nach Hause und ich viel gleich ins Bett. Ich war so müde, dass ich gleich
einschlief.
Als ich wieder aufwachte, sah ich auf die Uhr die 6Uhr 15 anzeigte. Also machte
ich mich auf, ging ins Bad mit der festen Überzeugung ich könnte Irene und den
Mamas dabei helfen, die Schulbrote vorzubereiten. Als mir dann allerdings unter
der Dusche auffiel, dass es draußen immer dunkler anstatt heller wurde und ich
eigentlich immer noch ziemlich müde war, wurde mir klar, dass es erst 6Uhr am
Abend war! Also ging ich zurück ins Bett und schlief dann durch bis zum nächsten
Morgen.
Heute fühle ich mich schon viel ausgeruhter und fit. Heute Mittag gehen wir mit
Irene in die Stadt, Essen einkaufen. Ich habe mir auch vorgenommen gleich nach
der Schule damit zu beginnen, die Kinder in deutsch zu unterrichten, damit sie
sich gleich daran gewöhnen. Ich bin schon gespannt was der heutige Tag so mit
sich bringt und freue mich schon, wenn die Kinder aus der Schule kommen.
So, ich glaube, dass ist jetzt erst mal genug für den Anfang- ich melde mich
dann wieder, wenn es was neues zu berichten gibt. Viele liebe Grüsse aus Kilifi
und bis dann, Eure Laura
Hallo an alle und viele Grüsse von allen zwanzig Kindern
hier aus Kilifi. Da unser Internet leider immer noch nicht funktioniert
versuche ich hier im Internetcafe der Stadt mein Glück allerdings hat es das
letzte Mal leider auch nicht geklappt und ich hoffe sehr, dass dieser Bericht
jetzt wenigstens ankommt.
Irene ist im Moment ziemlich beschäftigt und Anastasia und ich versuchen, sie
zu unterstützen, wo wir können. Aber sie muss gerade wegen der Kinder sehr viel
bei Gericht und Behörden regeln und hat uns versichert, dass sie das leider nur
alleine erledigen kann.
Wir sind daher unter anderem damit beschäftigt, die Kinder in Deutsch zu
unterrichten. Ich hätte nicht gedacht, dass die meisten so begeistert davon
sind und immer mehr über Deutschland und die deutsche Sprache erfahren möchten.
Selbst die Mamas setzen sich zu uns und hören aufmerksam zu, wenn ich mit den
Kindern übe, einen Brief zu schreiben. Als besonders begabt und
auffassungsfreudig erweisen sich Bahati, die dieses Jahr sogar das beste
Zeugnis mit nach Hause gebracht hat, Shukurani, die sich zwar oft scheut, eine
Antwort zu geben aber dann doch überwindet und Tina K.
Es ist oft ziemlich schwer, alle Kinder auf einmal zusammenzutrommeln, da
einige immer damit beschäftigt sind irgendwelche Aufgaben im Haus zu erfüllen
oder ihren Kochdienst erledigen müssen (es sind ja gerade Sommerferien). Also
haben wir uns dazu entschlossen, verschiedene Gruppen, mit verschiedenen
Lerneinheiten zu bilden, was bis jetzt auch ziemlich gut klappt.
Überhaupt haben wir uns sehr gut eingelebt und die Kinder haben sich schon an
uns gewöhnt und sind sehr zutraulich und ohne scheu. Gestern haben Anastasia
und ich jede Menge Süßigkeiten für die Kinder gekauft und ihnen aufgetragen,
ihre Schuhe zu putzen und sie am Abend vor ihre Türen zu stellen. Die Kinder
warteten nämlich auf den Nikolaus zwar war dieser einen Tag zu früh dran, denn
die Mamas hatten darauf bestanden, dass der Nikolaustag am 5. Dezember und
nicht am 6. Dezember gefeiert wird (ich glaube sie haben sich da einfach
vertan), die Freude der Kinder war dennoch nicht im Geringsten gemindert, als
sie heute morgen in ihren glänzenden Schuhen die ganzen Süßigkeiten fanden.
Santa erzählte sogar, sie habe den Nikolaus, der übrigens, laut der Kinder in
Deutschland in einem Wald wohnt und 300 Jahre alt ist, sogar Weihnachtslieder
singen hören.
Es ist der 24. Dezember. Für die meisten Leute hier noch
kein großes Ereignis, feiert man hier doch den Weihnachtstag, wie die
Engländer, erst am 25. Dennoch haben sich Petra und Helmut dazu entschlossen
nach der deutschen Tradition zu gehen, also heute zu feiern.
Schon in den frühen Morgenstunden sind alle im Gange und reinigen das Haus,
räumen auf, putzen, fegen und waschen. Die Mamas sind damit beschäftigt, das
Essen für heute und die nächsten zwei Tage vorzubereiten, da sie die
Weihnachtstage zuhause verbringen werden. Das Haus verströmt einen Geruch aus
frittiertem Fisch und Huhn während in der Außenküche gerade frische Bananen,
Mangos, Ananas und Melonen aufgeschnitten werden, um sie für den großen
Fruchtsalat zu präparieren.
Die Vorfreude der Kinder ist unheimlich groß, alle sind sehr fröhlich und damit
beschäftigt entweder ihre Zimmer aufzuräumen oder sich festlich zu kleiden. Die
Mädchen haben sich alle die Haare neu und, aus besonderem Anlass, Kunsthaar mit
einflechten lassen. Die Stunden vergehen sehr schnell und ehe man sich versieht
ist es auch schon Abend, die Sonne ist schon dem Mond gewichen, dessen Licht
gemeinsam mit einigen Lichterketten und Leuchtern die Essenstische, die wir
zuvor alle nach draußen befördert haben, bescheint. Eigentlich war geplant, das
Abendessen etwas vorzuverschieben, um die Weihnachtszeremonie mit Geschenken
und Weihnachtsmännern frühzeitig beginnen zu können. Da die Mamas jedoch
vergessen haben, dass das ganze Brot im Laufe des Tages gegessen wurde und wir
jetzt zwar mit Dutzenden von Hühnchen und Würstchen, dafür aber ohne Beilage
dastehen, muss Irene noch mal los um in der Stadt ihr Glück zu versuchen und zu
sehen, ob es noch Brot zu kaufen gibt. Also verschiebt sich alles um eine gute
Stunde. Als Irene dann endlich zurückkommt, zu der Freude aller mit einem
riesigen Sack voller Brotlaibe in
Deutschland würde man es wahrscheinlich als Toastbrot bezeichnen-, geht es dann
endlich los. Nach einer kurzen Instruktion, stellen sich alle Kinder geordnet
in einer Reihe auf und laden sich, zunächst noch etwas zurückhaltend,
Brathühnchenstücke und Würstchen auf ihre Teller. Das Essen verläuft wie immer
sehr ruhig. Die Kinder sind sehr still und auf ihre Teller konzentriert, reden
kaum und wenn, dann nur in einem flüsternden Ton. Die Teller sind noch nicht
geleert, da klingelt es schon an dem Tor. Moses springt sofort auf und öffnet
dem Überraschungsgast. Die Kinder trauen ihren Augen kaum als ein dick gepolsterter
Weihnachtsmann um die Hausecke stapft und sich mit an den Tisch setzt, während
er seinen prallgefüllten Sack auf dem Tisch abstellt. Die erwartungsvollen
Blicke der Kinder spürend beginnt er gleich damit, die Geschenke an alle zu verteilen,
Santa und Shuku entgeht dabei der italienische Akzent allerdings nicht und
meinen Roberta unter der Verkleidung erkennen zu können. Ganz so sicher sind
sie sich dann aber doch nicht und vergessen ihren Verdacht angesichts der
vielen Geschenke auch gleich wieder. Roberta nutzt die Gunst der Stunde und
macht sich auch gleich wieder auf die Socken, nachdem alle beschenkt wurden, um
nicht gänzlich aufzufliegen.
Kaum ist sie verschwunden, da klingelt es schon wieder an der Tür. Dieses mal
kommen sechs athletische Männer in silbernen Kostümen hineingestürmt und
erfreuen alle mit einem akrobatischen Programm, das sich sehen lassen kann. Sie
tanzen zu lauter Musik, machen Kunststücke mit und ohne Feuer und bringen alle
Zuschauer zum Staunen. Nachdem die Show mit einem gebührenden Applaus beendet
wird, springen die Kinder aufgedreht und glücklich im Sand umher und versuchen
die Akrobaten nachzuäffen.
Nach einer Weile werden sie jedoch in ihrem regen Treiben unterbrochen und von
Petra dazu angehalten, zusammen mit uns Praktikanten einen kleinen
Nachtspaziergang zu machen. Begeistert versammeln sich alle und brechen auf um
auf die Suche nach dem Weihnachtsmann zu gehen. Die Gelegenheit für Petra,
Helmut und Irene die ganzen Geschenke aus dem Büro ins freie zu transportieren
und alles für die Kinder bereitzustellen. Nach einem kurzen Fußmarsch durch die
Dunkelheit (und wenn ich vozu Dunkelheit rede, dann meine ich auch Dunkelheit
), die Taschenlampe hat vorzeitig ihren Geist aufgegeben, kommen die Kinder
wieder zu Hause an und werden von einem dunklen Weihnachtsmann, den Bart über
die Nase gezogen, empfangen, der ihnen in ihrer Sprache zu erkennen gibt, dass
er ganz genau weiß, was sie das ganze Jahr über getan haben und ob sie brav
waren oder nicht. Moses ist so überzeugend, dass seine autoritäre Masche
einigen sogar Angst macht- es sieht sogar so aus als ob Fridah anfangen will zu
weinen. Dazu kommt es allerdings nicht und einige der Mädchen meinen sogar
erneut, in dem Weihnachtsmann ihren geliebten Onkel Moses wieder zu erkennen,
hat der doch die gleichen Schuhe wie der Nachtwächter, der komischerweise
plötzlich Moses Schuhe trägt. Wie dem auch sei, als es dann an die Vergabe der
Geschenke geht, gibt es kein Halten mehr. Es ist ein Freudengeschreie und
Gejubele, wie man es noch nicht erlebt hat. Die Kinder sind überglücklich mit
den vielen Geschenken Petras und Helmuts sowie derer von ihren Paten. Natürlich
wird das Personal auch nicht vergessen und als diese ihre Geschenke öffnen und
unter anderem das Geld gesammelt von den Paten, sowie das 13. Monatsgehalt von
Petra und Helmut entdecken, fangen sie an zu schreien, zu singen und zu tanzen.
Nach dieser Euphorie geht das gesamte Personal überglücklich nach Hause und
überlässt Petra und Helmut die Kinder, die die ganze Aufregung ziemlich müde
gemacht hat und folglich auch kurz darauf freiwillig ins Bett gehen. Ein sehr
ereignisreicher Tag geht so zu Ende und lässt die Kinder in einen tiefen und
zufriedenen Schlaf fallen.
Gruß Laura
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