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Abschlussbericht Katharina Kienzle
Bevor ich im November 2010 nach
Kenia geflogen bin, waren mir Kenia und die afrikanische Kultur fremd. Ich war
noch nie vorher in einem afrikanischen Land und wusste sehr wenig darüber. Es war etwas Neues und natürlich war ich sehr
aufgeregt und neugierig, was mich erwartet. Und ich kann Folgendes sagen: Es
waren die Menschen, die einen vorher fremden Ort zu meinem zweiten zu Hause
machten. Es sind die Kinder, die mich dazu gebracht haben, meinen Aufenthalt zu
verlängern und nicht nur 4 sondern 6 Monate in Kilifi zu bleiben. Es sind die
kleinen Anekdoten und Erlebnisse mit den Kindern, die meine 6 Monate Afrika zu
einer unvergesslichen Zeit machen werden.
Doch wie fasse ich nun die
Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Monate zusammen? Eigentlich
ist diese Zeit nicht mit Worten zu beschreiben… Aber ich wird es mal versuchen.
Die letzten Monate habe ich mit
25 unglaublich tollen Kindern verbracht. Sie haben mich so warm und herzlich in
ihre große Familie aufgenommen, dass ich mich von Anfang an wohlgefühlt habe. Das
hat meinen Einstieg in das afrikanische Leben, die Kultur und den Alltag sehr
vereinfacht.
Durch die Kinder konnte ich
selbst noch einmal Kind sein. Ganz egal, ob wir Ausflüge an den Strand
unternommen haben und ich die im Schwimmring sitzenden Jungs Lucas, Amani und
Leon durch das Wasser gezogen habe, gegen James im Tischtennis verloren oder
gewonnen habe, mit einer Horde kreischender Kinder beim Volleyball um jeden
Punkt gekämpft habe, mal wieder gegen Kelvin oder Willy in „Dame“ verloren habe,
mit Eddy auf den Baum geklettert bin oder einfach mit den Mädels zu einer
Bummeltour in die Stadt aufgebrochen bin… Jeden Moment mit den Kindern habe ich
sehr genossen… Ein Samstagvormittag wird mir ganz besonders im Gedächtnis
bleiben, zumal mich Mariam die darauffolgende Zeit immer daran erinnerte: Ich
bin mit den Kids auf „Safari gefahren“. Zusammen mit Baraka, Leon, Eddy, Mariam
und Rose bin ich aufgebrochen um die Tierwelt zu erkunden. Zusammengeschobene
Stühle stellten unseren Bus dar und kleine Plastiktiere mutierten zu riesigen
Elefanten, Giraffen und Löwen. Voller Euphorie spielte ich mit, bestaunte die
Tiere und erwartete ganz gespannt das Lunch-Paket. Es gab eine Mischung aus
Blättern, Blüten und Sand serviert auf einem Deckel eines Eimers. Auch dieses
Vergnügen ließ ich mir nicht entgehen. Hätt ich aber wohl besser, denn es
dauerte nicht lange, da hieß es unter den Kinder: „Ah, Katharina ate the rotten
food“! So kam ich zu dem Spitznamen Katharina, who ate the rotten food (bis
jetzt werde ich noch so genannt) J
Auch war es für mich etwas
Besonderes miterleben zu dürfen, wie sich Kinder bereits in kurzer Zeit
(weiter-) entwickeln. Es war ein schönes Gefühl, an dieser Entwicklung teilhaben
und mitwirken zu können. Wie langsam aber sicher im Kindergarten die mühsam erarbeiteten
Grundlagen, wie das ABC und das Zählen sich doch im Kopf verankern, wie Robin
und Flori innerhalb weniger Monate enorme sprachliche Fortschritte machten und
nun auch munter auf Englisch plaudern oder wie aus Kindergartenkindern stolze
Erstklässler geworden sind.
Doch auch viele Erlebnisse waren
für mich neu, teilweise erschreckend und werden für meine Zeit hier in Kenia
sehr prägend sein. So durfte ich dabei sein wie 4 der kleinen Jungs beschnitten
wurden. Auf der einen Seite ein faszinierendes Erlebnis bei dieser Tradition
mit dabei zu sein. Auf der anderen Seite werde ich wohl nie die Tränen und das
Weinen der Jungs an jenem Nachmittag im Dezember vergessen. Auch werde ich mich
wohl immer an das beklemmende Gefühl erinnern, das immer dann aufkam, wenn ich
in die nahegelegenen Dörfer gefahren bin. Lehmhütten, kein Wasser, kein Strom…
Ein Gegensatz zu dem Heim, das unsere 25 Kinder ihr zu Hause nennen dürfen.
Ich bin sehr dankbar darüber,
dass ich all diese Erfahrungen machen und all die lieben Menschen kennenlernen
durfte. Eigentlich kann ich nur eines sagen: DANKE SCHÖN! Ich danke ganz Saidia
kwa Moyo, all den Kindern und Mitarbeiten für diese wundervolle Zeit und für
die vielen tollen, berührenden, bewegenden und teilweise auch befremdlichen Erlebnisse,
die ich machen durfte. Für mich wird diese Zeit sehr prägend sein, wie prägend
bleibt abzuwarten.
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